Unheimlich - Heimlich

am Montag 26 März 2018 - 18:28:54 | von Administrator
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Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder, bin kaufmännischer Angestellter und wohne in Attendorn im Sauerland.
 
Meinen ersten Kontakt mit Alkohol hatte ich mit 6 oder 7, als mich meine Großeltern an Bier, Wein oder Eierlikör mit dem Finger probieren ließen. Mit 13 oder 14 nahm ich Beruhigungstabletten, die ich meiner Oma entwendet hatte, da ich nicht schlafen konnte (Pubertät). Mein erstes Bier hatte ich mit 16 auf einer Jugendfreizeit. Danach immer wieder mal in geselliger Runde. Doch dann wurde aus dem Genusstrinken das heimliche Trinken. Es begann nach und nach mit der Geburt unseres Sohnes 1994. Ich trank heimlich und versteckte den Alkohol. Dabei waren meine Verstecke völlig absurd. Vom Ofen über das Kinderzimmer hin zum Auto. Mit der Zeit brauchte ich immer mehr Alkohol. Zum Schluss waren es 6-7 Flaschen Bier und zwei Flaschen Wodka pro Tag. Ich trank fast täglich bis zum Filmriss.
 
Dies ein kleiner Ausschnitt aus der „Alkohol-Biografie“ von Bernd Goebel, der jetzt zu Gast in unserer Gruppe war. Bernd, der seine Erfahrungen mit dem Alkohol in einem Buch unter dem Titel „unheimlich-heimlich, habe ich getrunken“ zusammen gefasst hat, erzählte uns freimütig aus seinem Leben, über seine Erfahrungen, seine Tiefpunkte und der langen Leidensphase, die er und seine Familie durchzustehen hatten, bevor er es endlich schaffte, vom Alkohol loszukommen.
 
Ein weiter Weg, dessen Verlauf viele unserer Gruppenmitglieder aus eigener Erfahrung kennen, von Bernd aber, auch mit einer Prise ironischen Humors, eindringlich und bildhaft geschildert wurde. So wurde uns erneut vor Augen geführt, wie sehr der Alkohol den Menschen, sein Leben und sein Umfeld, schleichend verändert und nur ein rigoroser Schnitt hier Hilfe verspricht.
 
Wir danken Bernd für seinen Besuch und seine Offenheit und können jedem nur einmal die Lektüre seines Buches, dass im Blaukreuz-Verlag (ISBN: 978-3-941186- 63-7) erschienen ist, empfehlen.
 
Gummersbach – Dieringhausen, im März 2018

BARMHERZIGKEIT

am Samstag 09 Dezember 2017 - 09:34:52 | von Administrator
 
 
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-unser Pfarrer Hermann Bednarek-
 
 
Barmherzigkeit fragt nicht nach Name, Stand oder Herkunft. Barmherzigkeit fragt nur nach Bedürfnis und ist nach der Lesart des Lexikons „eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine barmherzige Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich ihr mildtätig an“. Dieses Thema brachte unser Pfarrer Hermann Bednarek mit, als er einmal wieder einen unserer Gruppenabende gestaltete. Nach seinen Worten ist Barmherzigkeit das Gegenteil von Gerechtigkeit, schwebt sie doch über der Schuld, dem Bösen oder dem Fehlbaren. So war und ist Jesus Christus, wie sein Vater, gelebte Barmherzigkeit, die nicht nach Fehltritten fragt, sondern handelt. Über Barmherzigkeit kann man nicht reden oder diskutieren, man muss sie leben. So wie Mutter Teresa, die Pfarrer Bednarek als eine der leuchtendsten Beispiele des vergangenen Jahrhunderts nannte. Mutter Teresa (26.August 1910 bis 5.September 1997) war eine indische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden, für die sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. In der katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt. Sie fragte nicht nach dem „Warum“, so Pfarrer Hermann Bednarek, sondern nach dem „Wie“. So lebte sie nach dem Wort Gottes, wobei -und vielleicht nicht allgemein bekannt-, auch in den Schriften der Juden, der Muslime, der Buddhisten und anderer Religionsgemeinschaften die „Barmherzigkeit“ eine Rolle spielt. Einigen Mitmenschen ist dieses Wort allerdings wohl fremd. Eigene Interessen, eigenes Wohlergehen steht für sie im Vordergrund. Hier zitierte Pfarrer Hermann Bednarek einen Satz des Schriftstellers und DichtersLeo Tolstoi: „Die wichtigste Stunde im Leben ist immer der Augenblick. Der bedeutsamste Mensch im Leben ist immer der, welcher uns gerade gegenübersteht. Das notwendigste in unserm Leben ist stets die Liebe“. Dem ist wohl kaum noch etwas hinzu zu fügen und regte auch unsere Gruppe zum intensiven Gedankenaustausch an.

Gummersbach-Dieringhausen, Dezember 2017

Von der Selbstachtung zur Selbstverwirklichung

am Sonntag 29 Oktober 2017 - 13:14:41 | von Administrator
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- Andrea Schmidt -
 

„Befreit L/leben (lernen)“, so hatte Andrea Schmidt ihr Thema, das sie zu unserem Gruppenabend mitbrachte, überschrieben. Ein Thema, was wohl alle Menschen betrifft und bewegt, denn wer will nicht befreit sein Leben leben. Viele aber verwechseln Statussymbole, die sie ihr eigen nennen, mit Zufriedenheit und Sorglosigkeit. Das mehr dahinter steckt, erläuterte uns Andrea, die einige unserer Gruppenmitglieder von Seminaren und Fortbildungen kennen, die sie als Bildungsreferentin des Blauen Kreuzes moderiert, und bei diesen Anlässen Andrea als sympathische und kompetente Persönlichkeit schätzen gelernt haben. Gerade Alkoholkranke, aber auch deren Angehörige, wissen, dass allein materielle Werte nicht das Leben ausmachen. Zur persönlichen Zufriedenheit gehören weit mehr als vermeintliche Statussymbole. Erst muss mein „Ich“ und mein Verhältnis zu anderen stimmig und nicht vom Zweifel geprägt sein, um Dinge tatsächlich genießen zu können. Dazu gehören viele Faktoren, wie Andrea anschaulich darlegte. So zum Beispiel die Achtung, der Respekt, die Zuwendung, das Verstehen, das Erkennen, die Toleranz und die Geduld gegenüber mir selbst und zu meinem Gegenüber. Wenn dies im Einklang steht, kann ich mich und andere erst in all den menschlichen Facetten annehmen. Einfach gesagt, aber im Alltag oftmals nicht immer einfach umzusetzen. Daher ist dieses „befreit L/leben (lernen)“, eine tagtägliche Herausforderung und ein Weg, der manchmal durchaus mühsam sein kann. Gerade eine Selbsthilfegruppe aber kann mir helfen, diese Herausforderung zu bewältigen. Im vertraulichen und geschützten Umfeld der Gruppe, kann ich mich ohne Scheu so zeigen, wie ich bin und dadurch auch selbst wahrnehmen. Erst dann kann ich Verantwortung für mich selbst übernehmen, mich achten und ein befreites Leben leben.
 

Gummersbach-Dieringhausen, im Oktober 2017

++ Achtung ++ Achtung ++ Achtung ++ Achtung ++

am Donnerstag 31 August 2017 - 20:41:56 | von Administrator
I. Ab sofort beginnt der offizielle Teil unserer Montag-Gruppe bereits um 19.30 Uhr
II. Die Freitag-Gruppe findet  ab September 2017 nicht mehr wöchentlich, sondern jeden ersten und dritten Freitag im Monat statt. Der Beginn der Gruppe bleibt mit 11.00 Uhr bestehen. Bei Rückfragen gibt Roswitha ( Tel. 0 22 61 – 7 44 74) gerne Auskunft.

Eine abwechslungsreiche Wanderung mit traumhaften Aussichten

am Dienstag 27 Juni 2017 - 05:34:33 | von Administrator
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-Der leckere Kuchen steht schon bereit-
 
 
Der weite Blick über die sanften Hügel und Täler des Rhein-Sieg-Kreises, die Fernsicht bis zum rheinischen Siebengebirge, der leckere Erdbeerkuchen, der schmackhafte Kaffee, die kühlen Getränke und natürlich die tolle Gemeinschaft unserer Gruppe, waren „Lohn“ nach einer fast dreistündigen Wanderung, die wir am vergangene Samstag unternahmen. Der Ausflug führte uns zunächst zum FITHotel in der Nähe von Much. Von dort aus ging es auf einen Rundweg, der viel Abwechslung bot und an dessen Rand auch die ein oder andere Bank zur Rast einlud. Bestens geplant und organisiert von unserer Moni, wusste zunächst keiner von uns, wohin die Reise ging und vielleicht schwang auf der gemeinsamen Anfahrt doch hier und da Zweifel mit. Aber schon nach kurzer Zeit schlug dieser Zweifel in Begeisterung um, denn die Route des Weges führte uns entlang von blühenden Wiesen, durch schattige Wäldchen und immer wieder war es das grandiose Panorama, das faszinierte. So konnte trotz der marschierten Kilometer die Laune nicht besser sein, als wir wieder zum Ausgangspunkt gelangten und die süsse Stärkung bereits wartete.
Ein gelungener Tag, für den wir Moni herzlich danken, zu dem aber alle, die mit dabei waren, beigetragen haben!
 

Gummersbach-Dieringhausen, im Juni 2017
 

Belastungen des Lebens gewachsen?

am Mittwoch 15 März 2017 - 20:04:23 | von Administrator
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„Was hilft mir, den Belastungen des Lebens gewachsen zu sein?“. Diese Frage stellte Hansgeorg Panczel in unserer Montags-Runde, war er doch einmal wieder unserer Einladung nachgekommen und Gastreferent. Hansgeorg begleitet unsere Gruppe schon seit vielen Jahren und obwohl er nun seinen Ruhestand genießen kann, war er gerne bereit, zu uns zu kommen, um erneut einen Abend zu gestalten. Sein vorgestelltes Thema wog dabei „schwer“, wie auf der Zeichnung zu sehen ist. Ein Mann mit zwei großen Koffern, will/soll/muss den steilen Weg bewältigen. Allein seine Miene spricht Bände. Wie haben wir als Betroffene, als Angehörige unseren „Lebens-Koffer“ gepackt und getragen? Diese Frage stellte sich uns. Schnell war in der Gesprächsrunde klar, wie schwierig es sein kann, seinen Lebensweg zu gehen, gerade wenn der Alkohol eine „gewichtige“ Rolle spielt und die Steigung noch steiler und den Weg noch verschlungener macht. Eine schier unmögliche Aufgabe, nicht nur für Betroffene, sondern ebenso für Angehörige. Hier kann nur die Selbsteinsicht helfen. Ballast muss abgeworfen werden. Dazu gehören Zweifel an sich selbst, belastende Gedanken und   Minderwertigkeitsgefühle. Sie versperren die Sicht auf den Weg, der zu gehen ist und entmutigen, ihn überhaupt zu beginnen. Hier ist es gut, sich öffnen zu können und Freunde am Wegesrand zu wissen, die helfen, den Koffer ein Stück weit mit zu tragen, oder Dinge, die unnötig sind, aus ihm zu entfernen, damit die Last leichter wird. Freunde die an Wegbiegungen warten, um die Richtung zu zeigen, die anspornen und ermutigen nicht aufzugeben. Diese Freunde zu finden, ist sicherlich nicht einfach, denn in unserer schnelllebigen Zeit ist vieles oberflächlich und Ratschläge, manchmal in der Tat „Schläge“. Hier ist es gut zu wissen, dies gilt für den Betroffenen und den Angehörigen, eine intakte Familie, wirkliche Freunde, oder eben eine Gruppe zu haben, wo der Mensch zählt und wo  er Geborgenheit, Verständnis und einen Platz findet, um seinen Weg zu finden. Auf jeden Fall sollten unvermeidbare Rückschritte und auftauchende Hindernisse, nicht den Mut auf dem Weg zu einem zufriedenen Leben verlieren zu lassen.
 

Gummersbach-Dieringhausen, März 2017

Rückfall – NEIN danke!

am Sonntag 08 Januar 2017 - 15:26:29 | von Administrator
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Ich merke wie es in mir brodelt. Die „Sehn“Sucht nach einem Schluck Alkohol wird merkbar größer. Warum? Hatte ich Ärger? Kommt etwas Neues auf mich zu? Will ich etwas vergessen? Ich weiß es nicht genau, aber ich stelle mir schon die fatale Frage, wo bekomme ich jetzt schnell was zum „Vergessen“. Die gute Möglichkeit in dieser Situation ist natürlich der Anruf bei „meiner“ Vertrauensperson, aber vielleicht hilft auch ein Blick ins Internet. Ja richtig gelesen. Die deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat jetzt eine Seite ins Netz gestellt, die sich mit dem Rückfall befasst und auch eine Abstinenzkarte entwickelt, die, wenn man nur will, helfen kann. Unter - Website -, gibt es neben zahlreichen Infos auch konkrete Handlungsvorschläge, was ich jetzt, jetzt in diesem Moment tun kann. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall, auch schon bevor es brodelt!

Findet Dorie

am Donnerstag 20 Oktober 2016 - 11:09:17 | von Administrator
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                                         -Gestatten: Dorie-


Zu unseren Gruppenabenden konnten wir schon so manchen Gast begrüßen, der über ein interessantes Thema zu referieren wusste, auch unseren Pfarrer Aurel Everling. Nun war er wieder einmal in unserer Runde und erzählte über einen Kinobesuch mit seiner Familie????? „Findet Dorie“, einen Animationsfilm in dem eine kleines Fischmädchen, eben Dorie, die Hauptrolle spielt, hatte sich die Familie Everling angeschaut. Waren wir anfangs ein wenig verwundert, warum uns Aurel Everling unbedingt die Story dieses Films erzählen wollte und stellten wir gedanklich zunächst die „Seriosität“ des Themas in Frage, wurde dann aber schnell klar, warum er uns sinnbildlich die kleine Dorie mitgebracht hatte. Erzählt der Film doch von der sich in den Weiten der Ozeane verirrenden Dorie, die ihre Eltern sucht. Da Dorie außerdem kein sehr ausgeprägtes Gedächtnis ihr eigen nennt, macht die Suche für sie nicht leichter. Mit kindlicher Entdeckungslust und ohne auf Mahnungen zu hören, hatte sie sich, von Neugier getrieben, aufgemacht. Nur mit Hilfe von Freunden und nach vielen zu bestehenden Abenteuern, findet sie letztendlich zurück in die Geborgenheit der Familie.

Geht es uns Menschen nicht oft genauso, fragte Aurel Everling.

Auch wir suchen Geborgenheit, Liebe, Orientierung. Wir vergessen dabei aber all zu oft unseren Ursprung, unsere Identität. Unseren Ursprung, unsere Identität in Gott. Sicherlich ist es wichtig, sich auf den Weg zu machen und neugierig auf das Leben zu sein und zu bleiben. Wichtig für die Entwicklung, sich Problemen und Hindernissen zu stellen, um aus ihrer Bewältigung zu lernen. Dies wird einfacher, wenn man die Familie, Freunde, Bekannte an seiner Seite weis.

Ein wichtiger „Partner“, der immer und in jeder Lebenssituation verlässlich an meiner Seite steht, ist Gott. Ich muss nur bereit sein, auf seine Hinweise zu achten. Bereit sein, auf ihn zuzugehen. Dieser Ursprung, dieses Urvertrauen geht leider immer mehr Menschen abhanden, weil sie sich im Ozean des Lebens nicht mehr orientieren können, oder sich an falsche Lotsen halten. Es entsteht Ärger, Hilflosigkeit, Mutlosigkeit. „Die Wurzeln müssen wieder freigelegt werden“ so Aurel Everling, „damit ich mich erkennen kann“. Nur dann ist ein erfülltes Leben möglich und nur so kann ich mit mir ins Reine kommen. So wäre es schön, wenn es mehr von Filmen wie „Findet Dorie“ geben würde, denn auch sie können, neben all dem Kinospaß durchaus Hinweise geben, die beachtenswert sind.

Gummersbach-Dieringhausen, im Oktober 2016

Gruppen-Wochenende in Königswinter

am Sonntag 09 Oktober 2016 - 09:57:48 | von Administrator
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Das AZK-Bildungswerk in Königswinter am schönen Rhein, war schon einmal Ziel einer unserer turnusmäßig stattfindenden Mitarbeiter-Tagungen. Nicht nur die Räumlichkeiten der Einrichtung, die zur Stiftung Christlich-Soziale Politik e.V. gehört, sondern natürlich auch das Städtchen, hatten den Teilnehmer so gut gefallen, dass schnell der Entschluss reifte, dorthin auch einmal zu einem Gruppen-Wochenende einzuladen. So machten sich am ersten Oktoberwochenende zehn Mitglieder unsere Gruppe auf den Weg zum imposanten Drachenfels, um die herzliche Atmosphäre des Hauses zu genießen, aber auch um sich noch ein Stück weit besser kennenzulernen, ist doch Offenheit einer der Grundpfeiler unserer Gruppenarbeit. So stand neben der gemeinsamen Freizeit, natürlich ein Weiterbildungsthema, das von Svetlana vorbereitet war und von ihr auch moderiert wurde, auf dem Programm der abwechslungsreichen Tage, die viel zu schnell vergingen, wohl aber in guter Erinnerung bleiben werden. Ein Dank an alle die dabei waren und sich einbrachten und ein besonderer Dank an Hanne, die das Wochenende bestens organisiert hatte.

Gummersbach-Dieringhausen, im Oktober 2016

Sind Christen die besser Menschen?

am Sonntag 11 September 2016 - 18:48:05 | von Administrator
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Diese Frage hatte uns zu seinem diesjährigem Besuch, Pfarrer Hermann Bednarek mitgebracht und beantwortete sie spontan mit einem „Nein“. Damit wäre theoretisch unser Gruppenabend zu Ende gewesen, aber warum ein „Nein“, wenn man doch fest im Glauben zu Gott und seinem Sohn Jesus Christus verankert ist, wenn man sein Leben nach diesem Glauben ausrichtet, wenn man nach den Geboten lebt? Niemand ist perfekt, ist die einfache Antwort und schon Paulus hat gesagt „Der Mensch will Gutes, er kann es aber nicht.“ Pfarrer Hermann Bednarek untermauerte diese Aussage anhand zahlreicher Beispiele von bekannten Persönlichkeiten aus der Vergangenheit, die in ihrem christlichen Glauben Herausragendes geleistet haben, aber eben nicht perfekt waren, sondern „menschelten“. Auch heute, oder gerade heute, wird in fast allen Lebensbereichen der Anspruch an uns gestellt, perfekt zu sein. Wer hier nicht mithalten kann, oder will, ist schnell mit Vorurteilen behaftet. Aber, wie der Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906 geboren, 1945 von den Nazis ermordet) einmal gesagt hat :

„Gott sucht sich nicht den vollkommensten Menschen, um sich mit ihm zu verbinden, sondern er nimmt menschliches Wesen an, wie es ist.“

Mit diesen wenigen Zeilen ist eigentlich alles gesagt. Der gläubige Christ ist nicht vollkommen, kann es nicht sein, denn er ist und bleibt ein Mensch. Daher ist selbst der noch so Gläubige kein besserer Mensch und sollte nicht auf Anders-, oder Nichtgläubige mit Hochmut hinab sehen. Er hat wie alle Menschen, seine Licht- und Schattenseiten. Das ist gut so, denn er ist ein von Gott geschaffenes Individuum und wird so von ihm angenommen. Er sollte aber auch nicht an sich zweifeln, sondern seinen Weg gehen. Dazu zitierte Pfarrer Hermann Bednarek zum Abschluss dieses sicherlich für uns alle sehr interessanten abends, der Impulse zum Nach- und Überdenken gab, ein Gedicht, das Dietrich Bonhoeffer während seiner Haft im KZ Flossenbürg schrieb:


Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
Wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer der Siegen gewohnt ist.


Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott, Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.

Gummersbach-Dieringhausen, im September 2016

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